TANSANIA
8.10 2026
Wir verließen den Ngorongoro Krater und erreichten am späten Nachmittag einen Campingplatz in Moshi mit Blick auf den Kilimandscharo. Mit einem wunderschönen Blick! So zu sehen, auf vielen Fotos. Wir sahen nur Wolken, der Rest blieb unserer Fantasie überlassen. Doch am ersten Abend hob sich die Wolkendecke, gab den Blick auf den unteren Teil des Berges frei um ihn danach für den Rest unseres Bleibens wieder vollständig zu verhüllen. Da die Wetternachrichten für die nächsten 10 Tage keine Besserung in Aussicht stellten, verließen wir nach 2 Tagen Moshi in süd-östlicher Richtung. Unser Ziel, der Indische Ozean. So blieb der Kilimandscharo, Berg des Wassers, unseren Blicken verborgen. Dieser Berg, an dessen Existenz, trotz zahlreicher Berichte in Europa viele Jahrhunderte keiner glaubte. Ein Schneebedeckter Berg mitten in Afrika, das kann einfach nicht sein! Erst einem Bericht von Johannes Rebman von 1848 wurde Glauben geschenkt. Da die Bergspitze zwischen 1912 und 2020 bereits 85% ihrer Schneedecke eingebüßt hat und für 2030 ein komplettes Abtauen errechnet wurde, bleibt es nicht mehr vielen Menschen vergönnt einen dauerhaft Schneebedeckten Kilimandscharo zu bestaunen. Auch uns blieb dieser Anblick verwehrt. Doch immerhin, campten wir 2 Tage am Fuße des Kilimandscharo……Hinter Wolken verborgen hielt der Kilimandscharo in den folgenden zwei Tagen noch seine schützende Hand über uns. Ich beging 2 Verkehrsdelikte ohne folgen.
In einer 50km/h Zone fuhr ich 63km/h. Ein Polizist präsentierte mir ein Foto mit digital eingeblendeter Geschwindigkeit und Datum. Nach einem kurzen Gespräch, woher, wohin, wünschte er uns eine gute Weiterreise und ließ uns fahren. Clarissa war skeptisch, recherchierte im Internet und fand Artikel in welchen beschrieben wurde, dass es sich bei den Fotos auf dem Smartphone oft um manipulierte Beweise handelt! Einen Tag später überholte ich Berghoch einen echt langsamen LKW. Durchgezogene Linie vor einer Bergkuppe. Auf der Bergkuppe eine Polizeikontrolle.
Polizist: Hello my friend, you make a mistake.
Ich: I now.
Polizist: Wy did you do that?
Ich: Schulterzucken
Polizist: I forgive you! I wish you a good and save
journey
Ich: SPRACHLOS!!
(irgendwo in den Wolke verbirgt sich der Berg)
Dem Kilimandscharo sei Dank. So fuhren wir gut behütet vom Kilimandscharo bis zur Grenze von Mosambik. Es war Samstagabend und in allen Dörfern, welche wir durchfuhren war Party angesagt. Wahnsinnig laute Musik und tanzende Menschen in eine Staubwolke eingehüllt. Wir stellten uns neben eine Piste und tranken ein Bier nach vier. So sehr wir das Reisen zu zweit auch genießen, manchmal, manchmal auch mehr, fehlt ihr uns schon: Alois, Elke und Andy, Manuela und Ritchi, Simone und Gerd! Also, Bier nach vier und jede Menge Menschen kamen vorbei. Auf dem Motorrad, zu zweit, zu viert, oder beladen wie ein 3,5t Transporter in Deutschland. Viele Menschen, manchmal ganze Familien kamen mit Macheten und Hacken von der Feldarbeit. Ein herzliches Jambo oder Habari, danach viel Gerede, gestikulieren und wenig verstehen…. Es ist schön Interesse aneinander zu haben, auch wenn nicht alles verstanden wird. Irgendwann kam dann ein junger Mann auf dem Fahrrad vorbei, der Englisch sprach und erzählte im nächsten Dorf wäre Big Party, wir sollten doch mitkommen. Meine Antwort: Wir sind müde und zu alt für Partys. Keine Wiederrede von Seiten des Fahrradfahrers. Ich wünschte ihm noch einen schönen Abend und eine sichere Heimfahrt. Am nächsten Morgen, kurz vor unserer Weiterfahrt, kamen alte Bekannte vom Abend zuvor, diesmal auf dem Weg zu ihren Feldern, vorbei. Eine herzliche Begrüßung, noch mehr Konversation wie am Abend zuvor, genauso wenig verstanden, aber fast wie ein Plausch unter Nachbarn. Wir brachen auf und fuhren von unserem Standplatz zur Piste. Plötzlich gab es ein lautes Metallisches krachen. Und wieder, schon zum dritten Mal auf dieser Reise musste der Duro Federn lassen!! Heißt, eine Schraubfeder war gebrochen. Die erste an der linken, hinteren Achse in Westafrika. Dafür hatten wir Ersatz dabei. Vor circa vier Wochen brach die Schraubenfeder vorne links - nun vorne rechts. Beide an der ersten oberen Windung, ziemlich exakt an der gleichen Stelle. Somit ist der Duro tiefer gelegt. Das macht uns das einsteigen leichter! Außer, dass der Federweg geringer ist, haben die Schraubenfedern auch ihre Spannkraft verloren. Ein Federkomfort ist nur noch ganz gering vorhanden. Zum Glück haben wir Luft gefederte Sitze!! Mit modifizierten Sportfahrwerk ging es dann weiter zur Grenze - Tansania/Mosambik.
MOSAMBIK
Die erste Anlaufstelle auf tansanischer Seite war die Migrationspolizei. Die erste Frage des Polizisten war, ob wir ein gültiges Visum für Mosambik hätten? Nein, hatten wir nicht. Wir hatten andere Reisende in Mosambik getroffen, welche mit einem Visum on Arrival eingereist waren. D.h. sie hatten ein Visum an der Grenze ausgestellt bekommen. Gleiches wollten wir auch versuchen. Der Polizist meinte, das ginge nicht. Dies wäre ein kleiner Grenzübergang und dort würden keine Visa ausgestellt. Er teilte uns mit, dass er seinen Vorgesetzten anruft. Dieser solle dann entscheiden, ob wir weiterreisen dürften oder erst ein Visum online beantragen sollten. Der Vorgesetzte kam, bat uns in sein Büro und rief seinen Kollegen an der Mosambikanischen Grenze an. Nach einem kurzen Gespräch teilte uns der Vorgesetzte der Migrationsbehörde mit, dass wir weiterreisen könnten. Sein Kollege aus Mosambik hätte ihm gesagt, dass Deutsche kein Visum bräuchten. Diese Aussage verwunderte uns. In allen Reiseforen, sowie beim Auswärtigen Amt ist zu lesen, dass für die Einreise nach Mosambik inzwingend ein Visum erforderlich ist. Mit gemischten Gefühlen fuhren wir weiter zum Grenzposten von Mosambik. Die erste Station war auch dort die Migrations Behörde. Wir wurden von dem Beamten empfangen, welcher offensichtlich vorher mit dem Kollegen aus Tansania telefoniert hatte. Die Einreise sei kein Problem. Zehn US-Dollar pro Person und wir bekommen einen Einreisestempel und eine offizielle Quittung. Glauben konnten wir das immer noch nicht, sollte doch ein Visum laut Internet 50 $ pro Person kosten. Wie bezahlten zehn Dollar pro Person, bekamen die Einreisestempel und eine offizielle Quittung. Bis heute hatten wir bei keiner der unzähligen Checkpoints und Kontrollen ein Problem mit unserem Stempel. Das Grenzprocedere verlief entspannt und freundlich. Dann waren wir offiziell in Mosambik eingereist. Ein weiteres Afrikanisches Land, welches ich nie für möglich gehalten hatte, bereisen zu können. Nach der Unabhängigkeit, 16 Jahre Bürgerkrieg und immer wieder aufflammende Unruhen. Ein Land unter vielen in Afrika, in welchem in der Zeit des Eisernen Vorhangs ein Stellvertreterkrieg stattfand. Hier in Mosambik fühlen wir uns wirklich wieder nach Westafrika zurückversetzt und Mosambik ist jeden Tag für eine Überraschung gut. Es fing an der Grenze beim Geld wechseln an. Ich wechselte 200 € in Metical. Der Typ hat mich dann um 50 € beschissen. Ich merkte schon, dass er versuchte, mich übers Ohr zu hauen, habe ihn immer wieder korrigiert und das Geld vier oder fünf Mal nachgezählt. Stolz erzählte ich dann Clarissa, dass der Typ versucht hat, mich zu bescheißen. Aber nicht mit mir! Beim nachzählen hat sie dann das Gegenteil herausgefunden. Alle Achtung, Mister Geldwechsler!! Keine Ahnung, wie er das gemacht hat? Um 50 € ärmer startete das Abenteuer Mosambik.
Wir fuhren zunächst Richtung Osten, immer an der Grenze zu Tansania entlang. Am späten Nachmittag warnte uns ein Polizist, dass wir nun vorsichtig sein müssten, da wir in Terroristengebiet kämen. Diesen Programmpunkt hatten wir überhaupt nicht auf dem Schirm. In der Folge gab es vor und nach jedem Dorf einen Checkpoint. Diese Checkpoints waren mit Milizen besetzt. Zum Teil abenteuerlich aussehende Menschen. Mit heruntergekommenen Uniformen und Gewehren, denen man keinen einzigen Schuss mehr zutraut. An ausnahmslos all diesen Checkpoints wurden wir nach Wasser, Essen oder Geld gefragt. Alle Menschen waren freundlich und nach einem Nein, unsererseits, gab es ein Lachen, und man wünschte uns eine gute Reise. Die anfangs gut geteerte Straße nach der Grenze wurde zur Piste, dann zur schlechten Piste und irgendwann kam die Frage auf, ist es überhaupt noch eine Piste? In einem etwas größeren Dorf wollten wir nach Süden abbiegen und wurden von Polizisten und Soldaten gestoppt. Ab hier geht es nur mit einem Militär Convoy weiter. Der startet morgen früh um acht, wer nicht da ist, muss bis zum nächsten Tag warten, so die Info der Beamten. Der Convoy setzte sich um circa 11:30 Uhr am nächsten Vormittag in Bewegung.
Zwischenzeitlich überholten uns Kampfhubschrauber, welche die Piste in unserer Fahrtrichtung überflogen. Die Fahrzeuge wurden in zwei Gruppen aufgeteilt. Vorne weg die LKWs und zwei große Reisebusse. Hinten folgte die Kolonne PKWs. Jede Kolonne wurde von mehreren Militärfahrzeugen begleitet. Die Fahrt war sowas von abgefahren und mindestens genauso gefährlich wie die Bedrohung durch die Terroristen. Die Fahrzeuge des Militärs an der Spitze, fuhren deutlich schneller als die LKWs. Nun begann ein Filmreifes Wettrennen. Es wurde überholt, wo es nur ging, und es kam oft zu gefährlichen Situationen. Ehe wir uns versahen, zogen jede Menge LKWs an uns vorüber. Einer der beiden Reisebusse war ein besonders verwegener Fahrer. Er wollte wohl das hohe Preisgeld für den Sieger - anders kann ich mir dieses Wettrennen nicht erklären - unbedingt gewinnen. Auf asphaltierten Abschnitten hielten wir uns immer zurück. Hier gaben alle Vollgas und überholten, wo sie konnten. Auf Pistenabschnitten wünschten sich dann die meisten Fahrer wohl einen Duro anstatt eines chinesischen LKWs. Obwohl ich nicht scharf auf das Preisgeld war, konnten wir auf diesen Pistenabschnitten, trotz unseres eingeschränkten Federweges, geschmeidig wie eine Gazelle, an den meisten LKWs vorbei gleiten. Bald hatte ein Militärfahrzeug an der Spitze eine Reifenpanne und blieb am Straßenrand stehen. Kurz danach platzte bei einem uns vorausfahrenden LKW ein Reifen. Das führende Militärfahrzeug der PKW - Kolonne scherte aus und blieb bei dem LKW stehen. Ihres militärischen Führungsfahrzeuges entledigt, griffen nun die PKWs aktiv in den Kampf um das Preisgeld ein. Einige Szenen für einen Actionfilm wurden in der Folge dargeboten. Die Fahrt ging durch leere, teils zerstörte Dörfer. Keine Menschen, keine Tiere. Immer wieder vor - sich – hin - rostende Baumaschinen, angefangene Brücken - Neubauten und Straßentrassen. Alles schien fluchtartig verlassen. In der Mitte, der im Convoy zu befahrener Strecke, hielten wir in einem bewohnten Dorf. In diesem Dorf war Militär stationiert und ein Convoy ebenfalls mit Militärbegleitung stand in unserer Gegenrichtung aufgereiht. Bei diesem Stopp hatte das Militär alle Hände voll zu tun, um wieder Ordnung in unseren Convoy zu bekommen. Die zweite Hälfte der Fahrt verlief ähnlich, chaotisch wie die erste. Diesmal musste Team Duro, ein zweiter, kleinerer LKW und einer der Reisebusse bei dem PKWs mitfahren. Wahrscheinlich wollten die Verantwortlichen nicht, dass ein Ausländer das Preisgeld gewinnt und so hat man uns in die zweite Reihe verbannt. Kurz vor Macomia, dem Zielort des Convoys sahen wir wieder Menschen am Straßenrand und bewirtschaftete Felder. Die Militärfahrzeuge hielten am Ortseingang an, alle anderen fuhren ganz selbstverständlich weiter.
Für die nächsten 2000 km auf dem Weg nach Süden brauchten wir zehn Tage. Wir fuhren immer auf der N1, der Hauptstraße von Süd nach Nord. Oft Stundenlang im Schritttempo. Ernst blickende Gesichter, kaum ein Lachen. Viele bettelnde Menschen, meistens Kinder. Sehr viele Polizeikontrollen, auch hier oft die Frage nach Essen oder Wasser. Als ich bei einer Polizeikontrolle sagte wir hätten nichts mehr, weil jeder etwas von uns wollte, lachten die Polizisten und meinten du bist ja in Mosambik, da ist das eben so. Wilde Tiere sahen wir keine. Selbst Vögel waren sehr, sehr selten. Ganz wenige Schafe, Ziegen oder Hühner. Einen Stellplatz mussten wir im Dunkeln wieder verlassen. Bewohner (ca. 20 Stck.) eines nahegelegenen Dorfes kamen vorbei und schickten uns mit viel Gezeter fort. Sie hatten Angst und trauten uns nicht. Eine unglaubliche Erfahrung. Die meisten Tankstellen hatten zu. Es gab Probleme, vor allem mit Benzin, Schlangen von hunderten Motorrädern und Autos an manchen Tankstellen. Wir hatten Glück und bekamen immer irgendwo Diesel. Seit 2 Tagen stehen wir auf einem Campingplatz am Indischen Ozean. Palmen, weißer Strand, Einheimische kommen vorbei und bieten frischen Fisch an. Gleiches Land, andere Welt. Von der Grenze zu Südafrika bis hierher, nach Inhassoro, geht die Touristische Infrastruktur entlang des Indischen Ozeans. Hier treffen wir das erste Mal in Mosambik andere Overländer.



























