fiANNA
werkgemeinschaft


ANGOLA

17.04.2026
Die Piste war am nächsten Morgen befahrbar. Viel Regen kam zum Glück in unserer Gegend nicht hinunter. Wir mussten einige Schlammpassagen und größere Wasserlöcher durchfahren, was zum Glück ohne Probleme machbar war. Unterwegs trafen wir dann auf einen festgefahrenen LKW. Ein hoffnungslos überladener alter Berliet LKW steckte im Schlamm fest und kam nicht mehr vorwärts. Außer der Ladung befanden sich noch fünf oder sechs Jungs mit Schaufeln auf der Ladefläche. Diese sollten den festgefahrenen LKW wieder flott machen. Wie oft sie dies bis dahin wohl gemacht hatten - gewiss schon einige Male. Zum Glück war die Piste an dieser Stelle breit genug, so dass wir den LKW passieren konnten. Ich hielt an und bot an, den LKW aus dem Schlammloch zu ziehen. Beziehungsweise es zu versuchen. So ganz überzeugt von einem Gelingen war ich nicht, da der LKW mind. das doppelte auf die Waage brachte, wie der Duro und keinen Allradantrieb besaß. Wir befestigten das bewährte kinetische Bergeseil und ich zog an. Gleich beim ersten Versuch schaffte es der Duro den LKW aus dem Schlammloch zu ziehen. Die Erleichterung und der Jubel bei der Bergemannschaft waren nicht zu überhören und schön anzusehen. Jeden Tag eine gute Tat. Dieser Punkt war schon mal abgehakt und es konnte weitergehen. 

Je näher wir Luozi, unserem nächsten Etappenziel kamen, umso besser wurde die Piste. In Luozi suchten wir die Zoll Station auf, denn unser Carnet de Passage musste noch abgestempelt werden. Dies konnte unser dicker Zöllner nicht machen, da er von der Migrations Behörde war. Als alles erledigt war, tauchte ein Beamter der hiesigen Migrations Behörde auf. Dieser verpasste uns einen gehörigen Anschiss. Er meinte, wir könnten nicht einfach irgendwo in der Wildnis übernachten. Das wäre viel zu gefährlich. Wir müssten nachts immer in Dörfern bleiben. Er zeigte uns auf seinem Handy alle Fotos von unseren Fahrzeugen und uns, welche die Soldaten und der dicke Zöllner, am Tag zuvor von uns gemacht hatten. Dies war also der Chef vom dicken Zöllner, mit welchem er am Tag zuvor, von seinem Büro aus telefoniert hatte. Gerne hätte ich ihm erzählt, dass wir uns am Abend zuvor im Dorf vom dicken Zöllner mit den besoffenen, waffentragenden Soldaten wahrlich nicht sicher gefühlt hätten. Da war die Übernachtung draußen in der Natur doch sehr viel friedvoller. Aber er konnte kein Englisch und ich kein Französisch. Also nickten wir während seiner Belehrungen eifrig mit den Köpfen. Danach noch schnell Geld tauschen, Brot kaufen und hinunter zur Fähre. Hier, in Luozi überquert eine kleine Fähre den Kongo River. Der Kongo River - einer der großen, mystischen Ströme, Afrikas. Der Wasserreichste Fluss Afrikas und nach dem Nil, der zweit längste. Mit einer Tiefe von 220 m, ist er der tiefste Fluss der Welt. Dank seiner Superlative ist er der Mosel und dem Rhein dicht auf den Fersen. Für mich war das ein erhebender Moment am Ufer des Kongo zu stehen. Die Überfahrt mit der Fähre rundete diesen ereignisreichen Tag auf besondere Weise ab. Um auf die Fähre zu gelangen, mussten alle, ob zu Fuß auf dem Moped oder im Auto ein Stück durch den Fluss gehen, bzw. fahren. Es gab zwei Auffahrten quer zum Schiff. Clarissa und ich fuhren als erstes auf die Fähre. Dann war Alois an der Reihe. Er gab mächtig Gas, und für einen Moment dachte ich, er schiebt den Duro auf der anderen Seite der Fähre in den Kongo. Er berührte mit seinem Zusatzscheinwerfer unseren Reserve Reifen, kam aber gerade noch so zum Stehen. Sein Hinterreifen stand gerade so noch auf der Fähre. auf die zweite Spur fuhren drei Pick-ups und daneben und dazwischen quetschen sich einige Mopeds rein. Personen saßen und standen überall herum. Irgendwie machte die Fähre auf mich den Eindruck, als könne sie jederzeit als U-Boot fungieren. Aber wir hatten ja eine Überwasserfahrt gebucht. Auf der anderen Seite angekommen mussten alle wieder ein Stück durchs Wasser fahren, um an das Ufer zu gelangen. 

Weiter ging’s Richtung Grenze zu Angola. Die letzte Nacht in der demokratischen, Republik Kongo verbrachten wir auf einem ummauerten, bewachten Parkplatz eines Hotels. Ganz im Sinne des Chefs vom dicken Grenzbeamten. Für die letzten 10 km auf kongolesischen Straßen mussten wir kurz vor der Grenze 110 € bezahlen. Unglaublich!! Die Grenzformalitäten auf der kongolesischen Seite waren schnell erledigt. Dann fuhren wir ein paar Meter weiter zur Grenze von Angola und ein fast 24-stündiger Grenzmarathon begann. Auf angolanischer Seite gibt es zwei Grenzanlagen. Die alte und eine hochmoderne Neue. Beide sind irgendwie in Betrieb. Die neue noch nicht ganz und die alte, nicht mehr ganz. Wir wurden von einem vorausfahrenden Fahrzeug an die neue Grenzanlage gebracht und parkten vor der Migrations Polizei. Quasi den angolanischen Kollegen unseres Dicken Grenzbeamten aus dem Kongo. Wir sollten unseren Einreisestempel bekommen. Die angolanischen Kollegen überschritten mühelos die vorgelegte Zeit des dicken Zollbeamten. Aber nicht, weil alles so langsam ging, sondern weil keiner wusste, wie und wo was erledigt wird. Wir wurden von einem Büro und einem Gebäude ins nächste gebracht. Aber keiner wollte oder konnte uns den Einreisestempel in den Pass drücken. Irgendwann ginge es hinüber zu den alten Grenzgebäuden. Dort bekamen wir dann beim zweiten Anlauf unsere Einreisetempel. Nun ging es an die Formalitäten für unsere Fahrzeuge. In Angola wird jedes Fahrzeug bei der Einreise mit einer eigenen Steuernummer erfasst und der Halter muss eine Straßennutzungsgebühr entrichten. Dasselbe Drama, wie mit dem Einreisestempel. Nach Stunden hatten wir endlich unsere Formulare. Wir sollten für jedes Fahrzeug 200 Dollar Einfuhr Genehmigung und 500 Dollar Straßennutzungsgebühren zahlen. Das toppte die 110 € Maut auf kongolesischer Seite um ein Vielfaches. Zum Glück hatten wir darüber schon im Internet gelesen. Wir wussten auch, dass es für Touristen ein anderes Formular gibt. Das hatte ich als Screenshot auf dem Handy abgespeichert. Ich erzählte den Beamten von meinen Informationen und zeigte ihm das Formular. Der wusste sofort Bescheid, entschuldigte sich vielmals für den Fehler, rief seinen Chef an, besprach alles am Telefon mit ihm und erklärte uns abschließend, dass wir nun das andere Formular ausgefüllt bekämen. Mein Gefühl bei der Sache war: Man kann es ja mal versuchen. 700 Dollar für den Staat, sind besser als 37 €, die wir dann zu zahlen hatten. Als alle Formulare dann endlich ausgefüllt waren und es ans Bezahlen ging, gab es ein weiteres schwerwiegendes Problem. Mittlerweile war es 18:00 Uhr die Bank auf dem Grenzgelände hatte geschlossen und da heute Samstag war, würde sie auch Morgen nicht öffnen. Die Grenzbeamten durften keine Zahlungen entgegennehmen. Das dürfte nur per Einzahlung auf der Bank geschehen. Die einzigste Möglichkeit wäre, dass die Beamten einen finden, der die Bezahlung für uns per Überweisung tätigt und wir dieser Person das Geld bar zurückzahlen würden. Da es mittlerweile nach 18:00 Uhr war, die Grenze schon geschlossen hatte und die meisten Beamten Feierabend hatten, würde sich dies heute schwierig gestalten. So die Meinung der uns betreuenden Beamten. Wir sagten den Beamten, dass es schon dunkel sei, wir nicht weiterfahren wollten und ob wir auf dem Grenzgelände übernachten könnten. Kein Problem, meinten die Beamten. Sie hätten morgen Dienst und würden dann eine Lösung für uns finden. Am nächsten Tag überwies dann ein angolanischer Spediteur für uns das Geld zur Bank und wir bezahlten es ihm in Bar zurück. Nach fast 24 Stunden konnten wir dann in Angola einreisen.
Angola: 25 Jahre Befreiungskrieg und Bürgerkrieg. Ein Land, wie viele andere in Afrika, welches gefühlt nie zur Ruhe kam. Nun ist reisen hier möglich. Es soll ein sicheres Land sein, und die Politik setzt große Hoffnung in den Tourismus. Wir stehen nun den dritten Tag in Luanda, der Hauptstadt Angolas auf einem Campingplatz. Ein origineller Platz mit sehr netten Eigentümern. Seit gestern Morgen sind Alois und wir alleine hier. Die Tage davor trafen wir alte Reise Bekannte aus Westafrika wieder. Morgen wollen wir weiterfahren und Angola erkunden.

01.05.2026
Unser erstes Ziel, nach Luanda, war der Quicama Nationalpark. Hier bestritten wir unsere erste Safari. Wir sahen Zebras, Gnus, Kudus, Springböcke, noch so was mit Hörnen, habe den Namen vergessen und eine Giraffe. Die Tiere waren alle in Herden unterwegs. Zum Teil sahen wir mehrere Arten auf einmal. Die Artenvielfalt ist in Angola nicht besonders groß. Eigentlich waren fast alle Großwild Arten nach dem Befreiungskrieg (13 Jahre) und dem anschließenden Bürgerkrieg (27 Jahre) ausgerottet, wie in allen westafrikanischen Staaten. Die Wildtiere dienten in dieser Zeit als Nahrung für die Menschen.  Heute bieten Jäger immer noch Ihre Beute entlang der Straße zum Verkauf an. Entweder halten sie die erbeuteten Tiere hoch, wenn ein Auto vorbeifährt, oder die Tiere hängen an Gestellen am Straßenrand. Affen, Waldgazellen und allerlei mir nicht bekannte Tiere werden dort angeboten.


Unser nächstes Ziel waren die Pedras Negras eine Felsformation westlich des Nationalparks. Auf dem Weg dorthin, durchquerten wir auf einer Piste einen wunderschönen Wald. Dieser bestand überwiegend aus riesigen Baobab Bäumen und hohen Kakteen - wunderschön. Ich hielt kurz an, um ein paar Fotos zu machen. Bei diesem kurzen Stop, laut Clarissa waren es 3 Minuten, wurde ich mindestens 300 mal gestochen, oder gebissen. Die Füße die Beine bis zu den Oberschenkeln und die Unterarme.  Stich an Stich. Während ich fotografierte, bekam ich davon überhaupt nichts mit. Abends Markierten sich die ersten Stiche und im Laufe der Zeit wurden immer mehr sichtbar. Drei Tage lang wurde ich durch Jucken an dieses Foto Event erinnert. Clarissa meint, das wären Milben gewesen, die im Gras saßen. Könnte sein, ich bin durch Hüfthohes Gras gelaufen. Irgendwie habe ich eine Grasphobie seit dieser Zeit. Wenn es geht, sind unsere Nachtlager von nun an Gras los… Oh Mann, was freue ich mich wieder auf die Wüste. Bei den Pedras Negras, einer schönen Steinformation mit fantastischem Ausblick verbrachten wir eine Nacht. Hier trafen wir Norbert wieder, den wir schon einmal in Benin getroffen hatten.


Am nächsten Morgen ging es weiter zu den Calandula Wasserfällen. Den zweitgrößten Wasserfällen Afrikas. Für mich sehr spektakulär. Wir campten auf dem Parkplatz eines Hotels mit Blick auf die Wasserfälle. Zu unserem Erstaunen war hier gar nichts los. Am zweiten Tag gab es, außer uns, keine Gäste. Wir schwammen alleine im Pool mit Blick auf die Wasserfälle. Ziemlich abgefahren. An der Seite des Pools mit Blick zu den Wasserfällen gab es auch eine etwas erhöhte Abstellfläche für Getränke, den Calandula Shake. Habe mich nicht getraut, ein Getränk zu bestellen. Wenn ein Foto an die Öffentlichkeit geraten wäre, hätte uns keiner geglaubt, dass wir selbst nach Afrika gefahren sind. Alle hätten behauptet, wir seien geflogen.


Nach zwei Tagen ging es weiter Richtung Lubango, der drittgrößten Stadt Angolas. Für Alois war es mal wieder an der Zeit, so richtig Strecke zu machen. Irgendwie braucht er das von Zeit zu Zeit. Nach einem weiteren Tag, gemeinsamen Fahrens, verabschiedete er sich und bretterte los Richtung Namibia. Dort holt er Richi und Manuela in Windhuk am Flughafen ab und bringt die beiden nach Swakopmund zu ihrem Toyota, welcher im Hafen zur Abholung bereitsteht. Wir freuen uns schon auf ein gemeinsames Wiedersehen. 

Für uns ging es weiter Richtung Süd Osten. Wir bewegten uns die nächsten Tage auf einer Höhe von circa 1700 m. Ein herrliches Klima. Die Landschaft bestand aus weiten Ebenen, spärlich bewachsen, mit Sträuchern und Bäumen. Oftmals sumpfig. Grandiose Fernblicke und unglaubliche Wolkengebilde welche die abendlichen Gewitter ankündigten. Urwaldgebiete sahen wir auf unserer Fahrt durch Angola bisher nicht. Die einzige Ausnahme war der Baobab/Kakteen Wald, welchen wir durchquerten. Der Wald des Stechens. Nach drei Tagen Fahrt erreichten wir Lubango auf 1981 m Höhe. Hier campten wir in einem Privatgarten. Sehr schön und herzlich empfangen von den Eigentümern. In Lubango ließ ich einen Ölwechsel am Duro machen. Tito der Besitzer der Werkstatt mit portugiesischen Wurzeln war wahnsinnig nett und sehr hilfsbereit. Er fuhr mich einen halben Tag, kreuz und quer durch Lubango um die gerissene Felge, welche in Nigeria schon einmal geschweißt wurde, erneut zu reparieren. Die nigerianische Schweißkunst war den Pisten des Kongos doch nicht gewachsen. Tito erzählte viel von der jüngeren Geschichte und den Problemen Angolas, kochte mir von seinen selbst gerösteten Bohnen Kaffee (sehr lecker) und zwei seiner drei Töchter zeigten mir was es Lohnenswertes auf unserer Route in Angola noch zu sehen gibt. Er wollte kein Geld von mir außer Material, was ich aber nicht akzeptieren konnte. Abends hatte ich das Gefühl mich von einem Freund zu verabschieden. 

Vor zwei Tagen brachen wir auf zu unserer letzten Etappe auf dem Weg nach Namibia. Von Lubango fuhren wir von 1981m über den Leba Pass in die Ebene auf circa 400 m. 

Unten angekommen war es erst einmal aus mit den angenehmen Temperaturen. Unsere Fahrt ging immer Richtung Westen. Richtung Namibe, an die Atlantikküste. In Namibe tankten wir noch einmal voll und fuhren weiter Richtung Süden. Hier befanden wir uns schon in den Ausläufern der Wüste Namib, auf Angolanischer Seite.
Kurz hinter Namibe bogen wir auf eine Piste ab und haben bis heute Abend ca. 250 Pistenkilometer zurückgelegt. Mal auf nervigen, mal auf gut zu fahrenden Pisten, aber immer in traumhaften Landschaften. Wir fuhren entlang des Atlantik, durchfuhren Canyon‘s, Geröllfelder, Sandflächen, Grasfelder, ähnlich wie Getreide, welche im Wind wie Wellen wogen. 

Erklommen kleine Pässe und waren beglückt von der Flora und Fauna welche die Wüste Namib hier zu bieten hat. Nach jedem Pass bietet sich ein anderes Bild im nächsten Tal. Wir sahen viele Wüstenpflanzen der Art Welwitschia. Eine endemische Pflanze, die nur in der Wüste Namib, in Namibia und Angola vorkommt. Diese Pflanze wächst seit über 1 Millionen Jahre unverändert. Ziemlich abgefahren diese Pflanzen. Die Größte ihrer Art haben wir uns heute angeschaut. Ganz unerwartet kontern wir heute auch mehrere Gazellen beobachten. Clarissa und ich können die Weite und Abgeschiedenheit der Wüste total genießen.  Was für ein Unterschied zu den letzten Monaten im Dschungel von Westafrika und den allgegenwärtigen Menschen.
Wir sitzen draußen vor dem Duro, es ist Vollmond, ein lauer Wind weht, das Steppengras wogt in Wellen, außer dem Kühlschrank von drinnen ist nichts zu hören.

 
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