fiANNA
WERKGEMEINSCHAFT




SAMBIA
02.09.2026
Wir sind von Botswana nach Sambia gereist und wieder in Afrika angekommen. Unmittelbar nach der Grenze, Straßenstände und ein kleines Geschäft bzw. Kiosk nach dem anderen. Vor allem die Frauen wieder bunt gekleidet und viel Musik…. Das erinnert sehr an Westafrika. Das Leben findet wieder auf der Straße statt. Junge Leute auf dem Fahrrad, Motorrad oder zu Fuß unterwegs. Oftmals hört man erst Musik, dann das Motorrad, oder der Fahrradfahrer oder Fußgänger kommt vorbei. Musik, sehr laut, vom Smartphone oder dem Chinesischen Gegenstück von JBL oder so…….! Straßenstände in Namibia, Botswana oder Südafrika waren ganz, ganz selten anzutreffen. Gegrilltes Fleisch, Maiskolben oder Eintopf, wie hier am Straßenrand gab es überhaupt nicht.

 

Dafür, kaum ne Stunde auf Sambias Straßen unterwegs das erste Knöllchen. Eigentlich hatten wir uns in Punkto Straßenverkehr für Sambia schon vorbereitet. Feuerlöscher, 2 Warndreiecke, Warnwesten und rund ums Auto reflektierende Klebestreifen. Der Polizist war erst etwas irritiert das eine Frau den Truck fährt, bis er merkte das der Duro ein left Hand driver ist. Diese Situation gibt es ständig im südlichen Afrika, wo ja Linksverkehr herrscht. Er kontrollierte die reflektierenden Klebestreifen und meinte dann ich müsste eine Aufschrift left hand driver hinten am Duro haben. Ich stieg aus, er zeigte mir die Stelle und erklärte die Abkürzung LHD sollte ich einfach mit Reflektorband hinten anbringen. Ich bedankte mich, sagte ihm, dass ich dies sofort erledigen würde und wollte weiterfahren. Er erwiderte mir, dass ich auf der anderen Straßenseite in das Büro gehen müsse und mir war sofort klar, dass ich mich beim sambischen Staat mit diesem Vergehen verschuldet hatte. 400 Kwatscha (18,15€) durfte ich zum Wohle Sambias entrichten. Diesmal gab es eine hochoffizielle Rechnung mit eingeprägtem Siegel. Auch wurde der Betrag von einer, so schien es, offiziellen Kassiererin einkassiert. Diese bedankte sich aufs überschwänglichste, als wenn ich in ihrem Laden den Wochenendeinkauf für eine 10-köpfige Familie getätigt hätte. Kurz nach der Weiterfahrt sah Clarissa einen KFZ - Ersatzteilladen am Straßenrand, welcher auch mit Aufschriften warb. Wir hielten an. Vor dem Laden saß Bob Marley, ohne Joint zwischen den Lippen und war sehr erstaunt als der Duro vor seinem Stuhl anhielt. Ich schilderte Bob das Dilemma mit der Polizei, was er mit einer mitfühlenden Geste kommentierte. Kein Problem das können wir in Ordnung bringen. Er ging in den Shop und kramte einen großen Bogen Reflektierender Folie hervor.  Danach suchte er Lineal, Cutter und Bleistift zusammen. Ich sagte ihm die Buchstaben könnten wir auch selbst ausschneiden und aufkleben. Bob sah mich etwas überrascht an und meinte, kein Problem. Wenn wir aber etwas Zeit hätten könnte er das auch für uns erledigen.  Zeit hatten wir ja und wer hat schon eine Aufschrift von Bob Marley auf dem Auto. OK Bob dann mach mal. Dumm war nur, dass ich die Künstlergage mit Bob nicht im Vorfeld ausgehandelt hatte. Nun ja, ich war ja länger nicht mehr in Afrika. Jetzt bin ich wieder schlauer. Bob lachte mich herzlich an als er mir seine Gage nannte. Und ich hörte Alois sagen: „Wenn dich ein Afrikaner anlacht, hat er dich schon übers Ohr gehauen!“ Übrigens hat Alois diese „Weisheit “ selbst, von einem Afrikaner erzählt bekommen. 

Die nächsten beiden Tage verbrachten wir in Livingston. In der zweiten Nacht wurden wir von lautem Jubel und Böllern geweckt. Zu viel der Ehre dachte ich. Der Grund waren aber nicht wir, sondern die offizielle Bekanntgabe des Ergebnisses der Präsidenten Wahl. Der alte Präsident ist der neue Präsident. Rein akustisch schien das zumindest für die Menschen in Livingston OK zu sein. Da der alte/neue Präsident der reichste Mensch Sambias sein soll hat es an Wahlgeschenken offensichtlich nicht gemangelt.  Im ganzen Land sind Frauen mit Wickelröcken in den Parteifarben und dem Porträt des Präsidenten gekleidet. Manche auch noch mit dem passenden T-Shirt dazu. Die Männer nur mit T-Shirt, ohne Wickelrock. Vor ein paar Tagen sind wir durch ein Dorf gefahren, in welchem gefühlt alle den Präsidenten auf der Brust oder am Oberschenkel trugen. Das sind ja auch mal wirklich nützliche Wahl Geschenke. Zwischenzeitlich sitzt der Oppositionsführer wegen Hochverrats im Gefängnis. Er wollte das Wahlergebnis vor Gericht offiziell anfechten. Bei der Verhaftung ist ein anderer Oppositionspolitiker erschossen worden. Dieser Oppositionspolitiker war früher Regierungsmitglied beim alten, neuen Präsidenten……..


Die nächsten zwei Wochen durchquerten wir Sambia von Südwest nach Nordost. Zunächst auf der T2, der geteerten Hauptverbindung von Süd nach Nord. Hinter Lusaka (Hauptstadt) fuhren wir etwas östlicher, streiften die nordwestliche Ecke von Mosambik und verließen bei Petauke die Teerstraße. Die nächsten zehn Tage fuhren wir entlang des Luangwa Rivers, welcher die Grenze zum South und Nord Luangwa Nationalpark bildet. Wir fuhren außerhalb der Nationalparks. Eine einsame sehr abwechslungsreiche Pistenfahrt. Wir genossen eine tolle Natur, und eine erlebnisreiche Tierwelt.

 Wir ertrugen grottenschlechte Pistenabschnitte und ließen uns schlecht gelaunt, wie auf hoher See, in unseren Sitzen hin und her werfen. Doch die Übernachtungsplätze ließen auch schlechte Pistenabschnitte schnell vergessen. Wir standen am Luangwa River, sahen riesige Krokodile und wurden tags wie nachts von Flusspferden - röhrend, muhend und schnaubend - unterhalten. Wir mussten unsere Sachen vor allzu neugierigen Affen in Sicherheit bringen. Diesmal lachten sie mich nur aus, wenn ich die Steinschleuder auspackte. Elefanten, Wasserböcke, Impalas und Kudus besuchten uns und wir sahen jede Menge, für uns, unbekannte Vögel. Eine Kostprobe ihrer stimmlichen Gewandtheit gaben uns Hyänen, hielten sich dabei aber immer im Wald verborgen.

 Und dann sahen wir unsere ersten Löwen. Wir verließen eines Morgens, unser Nachtlager am Luangwa River und fuhren zurück Richtung Piste. 100 m links von uns graste eine Gruppe Impalas. Ich schau noch zu den Impalas rüber, da fragte Clarissa überrascht: „Was ist das denn?“ Ich schaue nach vorne und leite umgehend eine Vollbremsung nebst ausschalten des Motors ein. circa 30 m. Vor uns liegt ein Löwe, ein Zweiter ist gerade aufgestanden, schaut uns an und legt sich wieder hin. Dann entdecken wir noch einen Löwen und noch einen. Alle liegen dösend im Schatten. Eine Bewegung links von mir, lässt mich herumschauen und ich sehe gerade noch, wie eine Hyäne sich in die Büsche drückt. Die Löwen interessieren sich recht wenig für uns und schnell ist klar, dass sie ein Verdauungsschläfchen halten. Mit prallen Bäuchen liegen sie auf der Seite und jede Bewegung ist eine Qual. Ich starte den Motor und fahre 10 m nach vorne. Zwei der Löwen schauen kurz in unsere Richtung lassen aber schnell die Köpfe wieder sinken. Ansonsten zeigt nach wie vor Keiner Interesse an uns. Wie die putzigen Tierchen so da liegen, sich ab und zu mal strecken und mit der Zunge die Schnauze lecken hat man das Gefühl, man könnte aussteigen und die Katzen streicheln. Ich lasse noch einmal den Motor an und fahre weiter auf die Löwen zu. Nun beträgt der Abstand keine 10 m mehr. Wahrscheinlich sind wir nun doch zu sehr in ihre Privatsphäre eingedrungen. Ein Löwe steht auf, gleich danach ein zweiter und sie schleppen ihre runden Bäuche circa 20 m weiter und lassen sich im Schatten eines anderen Baumes niederplumpsen. Der dritte steht auf und schleppt sich ebenfalls zu den andern. Zurück bleibt der kleinste und vermutlich jüngste Löwe. Dieser trägt ein großes Lederhalsband mit einem Sender versehen. Irgendwann merkt dieser, dass die drei anderen gar nicht mehr neben ihm liegen. Er hebt den Kopf, steht auf, schaut etwas verdutzt und schleppt sich dann zu den andern. Clarissa hat indes kreisende Geier über uns entdeckt. Die ersten lassen sich auf einem Baum circa 30 m entfernt im Busch nieder. Wenn die Löwen kein Interesse mehr an uns haben, habe ich auch kein Interesse mehr an Ihnen. Ich starte den Motor und fahre Richtung Geierbaum. So nah es geht an den beginnenden Wald. Die ersten Geier lassen sich in den Wald hinab gleiten und beginnen zu picken. Wir konnten leider nicht erkennen, was die Beute war und ich traute mich auch nicht auszusteigen und nachzusehen. Die Hyänen hatten wahrscheinlich ihren Anteil schon verspeist und die Beute zerfleddert, denn die Geier verteilten sich ziemlich weit im Wald um auch ihren Anteil an der Löwenbeute zu erhalten. Die Jäger selbst interessierte überhaupt nicht was mit den Resten ihrer Beute geschah.
Boah ey, was für ein Erlebnis mal wieder! Ca. 300 m von unserem Übernachtungsplatz treffen wir auf Löwen, außerhalb eines Wildparks, nur wir alleine. Bei Löwensichtungen innerhalb eines Wildparks gesellen sich ganz schnell immer mehr Touristen mit ihren Autos dazu bis einer dem anderen die Sicht versperrt. Wir waren ganz alleine und hatten alle Zeit der Welt!


Nach der Löwen - Sichtung sollte ein anderes Tier, ein wesentlich kleineres, unsere ungeteilte Aufmerksamkeit auf sich ziehen. In den nächsten Tagen eignete sich Clarissa die hohe Kunst der singenden Fliegenklatsche an. Aufgrund der warmen Temperaturen fahren wir nun wieder mit offenen Fenstern, da es sonst zu warm in der Fahrerkabine wird. Vor allem an zwei Tagen wurden wir während der Fahrt von Bremsen oder Tse - Tse Fliegen überfallen. Sie stürzten sich durchs offene Fenster auf uns. Also griff Clarissa zur Fliegenklatsche und kämpfte wie eine Löwin gegen die Eindringlinge. Sie erwarb sich Fähigkeiten im Umgang mit der Fliegenklatsche, welche denen eines Samurai mit seinem Schwert in nichts nachstehen. Ich denke, käme es zu einem Wettkampf der beiden, der Samurai durch Fliegenklatschentreffer zwei rote Wangen hätte, bevor er sein Schwert berührte. Während des Fahrens kam es mir manchmal vor als, stünden drei oder vier Fliegen klatschen in der Luft so schnell glitt diese durch die Fahrerkabine. Die Treffer auf der Frontscheibe, den Türen, dem Armaturenbrett oder meiner Schulter erfolgten so schnell, dass an Mitzählen gar nicht zu denken war. Zu dem Umgang mit der Fliegenklatsche kamen nun noch Erfrischungstücher und Küchenrolle dazu, um die Spuren des Kampfes, oftmals rot, zu beseitigen. Da ich mich aufs fahren konzentrieren musste, hatte ich schon lange den Überblick über das Kampfgeschehen verloren. Irgendwann sagte Clarissa, es reicht, Fenster zu!! Mit dieser Entscheidung behielten viele Bremsen oder Tse - Tse Fliegen an diesem Tag ihr Leben. Übrigens haben wir immer noch nicht ganz geklärt, ob das nun Tse - Tse Fliegen sind. Wir meinen ja. Ich fragte einen Einheimischen nach diesen Fliegen, und der meinte die seien harmlos.

 Die letzten drei Tage sind diese Plagegeister wie vom Erdboden verschwunden. Im Moment herrscht Ruhe. Sollen die Fliegen doch in Sambia bleiben. In zwei Tagen werden wir in Tansania sein. Wir stehen nun auf einem Camp mit Blick auf Tansania, haben Internet und warten auf den Eingang unserer Visa.

 
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