fiANNA
WERKGEMEINSCHAFT



SÜDAFRIKA
27.07.2026
Am nächsten Morgen überquerten wir den Oranje River. Wieder einer der geschichtsträchtigen, mystischen Flüsse, Afrikas. Der Oranje River welcher über Jahrmillionen Diamanten aus dem Landesinneren in den Atlantik getragen hat. Der Benguela Strom hat diese, die Küste entlang in nördlicher Richtung bis Lüderitz in Namibia getragen und Wellen haben diese an Land gespült. Da der Meeresspiegel vor Jahrmillionen höher als heute war, wurden Diamanten in der heutigen Wüste fernab der Küstenlinie gefunden. Da die Diamantenfunde in Namibia und Südafrika an Land nicht mehr so ergiebig sind wird zunehmend der Meeresboden abgesaugt. Der Oranje River ist über 500 km der Grenzfluss zwischen Namibia und Südafrika. Beim Überqueren der Grenze fuhren wir uns das zweite Mal auf dieser Reise fest. Das erste Mal vor über 6 Monaten in der mauretanischen Sahara und nun beim Passieren der Grenze . Grund für das stecken bleiben war kein Weichsand oder schlammiger Untergrund, sondern schlichtweg ein Zollbeamter. Vielleicht lag es daran, dass ihn die Sonne blendete oder er braucht eine Brille. Könnte auch sein, dass es ihm total egal war. Bei der Endkontrolle an der südafrikanischen Grenze gab es zwei Fahrspuren. Ein führte unter einem schrägen Dach entlang, die zweite links neben dem Dach. Die linke war mit einem Warnhut/Warnkegel gesperrt. Ritchi und Manuela standen vor uns unter dem Dach. Genügend Platz nach oben bis zu den Eisenträgern. Wird knapp für uns dachte ich. Es gab kein Schild mit einer Höhenangabe. Ritchi’s Toyota ist 2,5m hoch, unser Duro 3,35m.
Ritchi war fertig und fuhr weiter. Der Zöllner winkte uns und ich signalisierte ihm das ich die gesperrte Spur fahren wollte. Er winkte mir noch einmal. Ich kurbelte die Fensterscheibe herunter und fragte ihn ob das mit der Dachhöhe hinhaut. Er winkte erneut und nickte. Langsam fuhr ich auf die Eisenkonstruktion zu und fragte erneut. Er nickte und winkte. Ich fuhr weiter bis es ein Geräusch gab wie beim Bremsen eines Zuges. Ich zog die Notbremse und stand, öffnete die Fahrertür und stieg seitlich nach oben. Wir hatten uns mit den beiden Solar Paneelen festgefahren. Ich hätte losheulen und Scheiße brüllen können. Anstatt loszuheulen, schlug ich mit der Faust auf die Fahrerkabine (hat schon ein bisschen wehgetan) und brüllte dann Scheiße. Zum Einen, weil ich mich ärgerte, dass ich Depp nicht auf mein Gefühl gehört und einfach die andere Spur genommen hatte. Aber auch weil der andere Depp/Zöllner erst das Geschehene ignorierte und als ich ihn fragte warum er mich nach zweimaligem nachfragen durchgewunken hätte, so tat als ob er die Welt nicht mehr versteht. Seine Antwort: „Das Auto vor euch hat doch auch unter dem Dach durchgepasst“. Da hatte er ja auch zweifelsfrei recht….
Vielleicht hatte ich ja wirklich überreagiert????
Um dieses Missgeschick schnell zu beheben meinte der Zöllner wir sollten doch einfach weiterfahren!?!?!?
Wir hingen am ersten Eisenträger fest…
Vielleicht sollten wir wirklich Gas geben, die anderen 6 oder 8 Eisenträger würden wir auch noch schaffen. Dann wäre die Abfertigungsspur wieder frei und das Tagesgeschäft könnte störungsfrei weiterlaufen. Der Zöllner könnte aufatmen und wir könnten unseren Frust weg atmen. Wäre Alois dabei gewesen hätte er bestimmt die Jogaübung: Noch mal Glück gehabt, es hätte schlimmer kommen können, mit uns gemacht. Oder aber, er hätte das gesamte Grenzpersonal auf Bayrisch zusammengefaltet, sodass sich der Außenminister persönlich bei uns entschuldigt hätte.
Eigentlich war und ist es ja gut das dieser Mensch Zöllner geworden ist - nicht auszudenken, wenn er Marshaller geworden wäre das sind Bodenlotsen auf den Flughäfen, welche die Jumbo - Jets beim Parken einweisen. Zum Glück scheint auch Lotse in der Seefahrt nicht sein Berufswunsch gewesen zu sein. Vielleicht ist er aber auch nur durch die Abschlussprüfung gerasselt….
Den Vorschlag weiterzufahren ignorierte ich, ohne eine weitere Diskussion oder meinen Zeigefinger an meine Stirn zu legen. Mein deutsches Geschwafel verstand der Zöllner hoffentlich nicht, aber diese Geste hätte er vielleicht verstanden. Wir ließen erst einmal den Reifendruck auf ein Minimum ab und fuhren Rückwärts unter dem Dach hervor. Während dessen passierten weitere Fahrzeuge die Grenze. Der Zöllner musste nun die linke Spur öffnen. Natürlich fragte der ein oder andere vorbeifahrende was passiert sei. Ich erzählte das Vorgefallene und der Zöllner wiederholte Mandala artig, da hätten zwei Autos gestanden und das erste wäre ohne Probleme unter dem Dach durchgefahren. Im Freien stehend kletterte ich auf das Kabinendach und sah das beide Solar Paneele durchgebogen, die Kunststoff Halterungen arg in Mitleidenschaft gezogen und die Glasscheiben der Paneele kreuz und quer gerissen waren. Ich erzählte dies dem Zöllner und langsam registrieret dieser das irgendwas schiefgelaufen war. Er griff zu seinem Smartphone und telefonierte. Keine Minute später fuhr ein Auto vor. Die Seitenscheibe ging runter und der Zöllner welcher uns 25 m vorher den letzten Stempel in den Reisepass gedrückt hatte saß am Steuer. Offensichtlich der Vorgesetzte unseres Pechvogels. Dieser bekam den Auftrag alles aufzuschreiben und alle Daten zu erfassen. Am Ende dieser lang dauernden Prozedur bekamen wir einen Notizzettel mit einer Telefonnummer und einem Namen in die Hand gedrückt. Am Montag sollten wir diese Nummer anrufen. Mehr Informationen gab es nicht. Wir wollten gerade losfahren, da kam der Oberzöllner noch mal vorgefahren, verlangte den Notizzettel und schrieb den militärischen Rang des Menschen, den wir anrufen sollten vor seinen Namen. Gaaanz wichtig.! Angerufen habe ich diese Telefonnummer bis heute nicht.


Am nächsten Tag trafen wir kurz vor Kapstadt auf dem Camp ein, auf welchem Alois auf seinen Abflug wartete. Schön Alois noch einmal zu sehen. Die nächsten zwei Tage waren ausgefüllt mit nichts tun, abends Feuer machen und Grillen. Und!! Es waren die letzten beiden Tage mit dem legendären Bier nach Vier. Legendär, eine Instanz, ein Ritual. Nicht das ihr denkt dies wäre der Auftakt zu einem Bierseligen Abend gewesen. Nein, ein Bier nach Vier, Punkt! Ein Ritual, welches nur mit Alois Reisen erfahrbar ist. Besser als jeder Sundowner oder die Feierabend Zigarette. O. K. bei Alois ist es das Bier und die Zigarette. Bei diesem Ritual gilt jedes Getränk als Bier nach Vier. Auch ohne Alkohol. Ein kurzes Resümee der Erlebnisse des Tages. Interessant, was jeder so erzählt. Früh morgens, am 08.07.2026, einem historischen Datum (für uns) fuhren wir Alois zum Flughafen nach Kapstadt. Richie, Manuela, Alois vorne weg. Clarissa und ich im Duro hinterher. Wir fuhren in dichtem Nebel! Das erste Mal auf dieser Reise. Aufgrund der monatelangen Afrika Erfahrung gelang es uns nach nur dreimaligem umrunden des Flughafens Alois am richtigen Eingang abzusetzen. Die Verabschiedung gestaltete sich etwas kurz, da uns ein herbeieilender Security Mensch darauf hinwies, dass LKWs (gemeint war der Duro) hier nicht halten dürften. Um die Campingstühle und den Tisch aufzubauen, war die Zeit eh zu knapp und für ein Bier nach Vier war es auch wirklich noch zu früh! Also Alois, fliege wohl behütet heim ins Königreich Bavaria zu König Söder dem Allerletzten.


Für Manuela, Richie, Clarissa und mich begann nun eine wilde Zeit. Wir stürzen uns voll ins Touristendasein. Manuela hatte den Job der Reiseleiterin übernommen. Schließlich war sie mit ihrer Familie schon zweimal in Südafrika gewesen. Sie legte ein hohes Tempo vor und aus dem gemütlichen Reisen wurde eine sportliche Veranstaltung. Fast schon ein „must see“ Zehnkampf. ……Und dann könnten wir noch dahin, das soll auch ganz schön sein. Da waren wir vor acht Jahren schon, das lohnt sich. Dann gibt es noch,….da muss ich aber erst mal nachlesen. Eine Idee nach der andern. Zum Glück haben wir bei weitem nicht alles abgearbeitet. Was wir sahen, war schön und hat sich auf jeden Fall gelohnt.
Wir fingen natürlich an mit dem Tafelberg in Kapstadt. Sonniges Wetter mit Nebelbänken, welche sich ständig veränderten, aber die Sicht auf die Stadt und das Meer fast immer frei ließen. Die Nebelbänke lagen tiefer als der Tafelberg, so, dass oben immer die Sonne schien. Es war fast schon eine mystische Stimmung. Der Touristen Strom hielt sich wahrlich in Grenzen für uns etwas erstaunlich, denn zurzeit sind in Südafrika Winterferien


Weiter ging es Richtung Süden bis zum Kap der guten Hoffnung. Kap der Guten Hoffnung!! Ein ganz besonderer Moment für die meisten Afrika Reisenden. Für mich, war das gar nicht so. Kein boah ey, Wahnsinn!!! Wir haben es geschafft, oder so……. Hatte eh keine Zeit, großartig drüber nachzudenken, da es galt, das nächste Etappenziel zu erreichen - Franschhoek! Um mein Heimweh, welches ich nicht hatte, zu unterdrücken, dachte Manuela, es wäre bestimmt heilsam eine Weingegend zu besuchen. Die Region um Stellenbosch, Paarl und Franschhoek ist eine der bekanntesten Weinregionen Südafrikas. Unsere Wahl fiel auf Franschhoek. Eine gute Wahl. 1688 ließen sich hier französische Hugenotten, welche aus Glaubensgründen Frankreich verlassen mussten, nieder. Viele Winzer waren dabei und diese gründeten Weingüter, welche Spitzenweine erzeugen, die Weltruf genießen. Zufällig fand während unseres Aufenthaltes das Bastille Festival statt. Ein Volks- und Weinfest, welches immer an einem Wochenende um den 14. Juni stattfindet und an den Sturm auf die Bastille, den Beginn der französischen Revolution erinnert. Für uns begann ein weinseliges Wochenende. Am Samstag fuhren wir mit der Weinbahn von Weingut zu Weingut, natürlich mit Weinproben verbunden. Sonntags schlenderten wir über das Festgelände und auch dort genossen wir den ein oder anderen Wein und schauten dem Treiben im Festzelt zu. Dort ging die Post ab. Immer mal wieder ergriff einer das Mikrofon auf der Bühne, rief Viva la France, und das ganze Festzelt antwortete. Verrückt, echt verrückt. Die gesamte Stadt, das Festgelände alles war mit blau, weiß, roten Fahnen oder Luftballons geschmückt. Überall blau-weiß rote Hüte, Schals und andere Kleidungsstücke. Das Fest sollte bis 17:00 Uhr gehen. Pünktlich hörte die Musik auf. Vor den Weinständen zog Security Personal auf. Der Weinausschank wurde abrupt eingestellt, und alle fingen an abzubauen. Das hatten wir so noch nie erlebt. Für uns vielleicht gut, so wurde es nicht zu weinselig und nicht zu spät, denn die Reiseleitung war erbarmungslos. Ein neues Südafrika Erlebnis wartete schon auf uns.


Der Zug der Wale aus der Antarktis Richtung Süden hatte begonnen. Wir fuhren nach Hermanus in der Hoffnung, Wale zu sichten. Von Juli bis Dezember schwimmen die Südkaper Wale in die Bucht von Hermanus (Walker-Bay) um ihre Jungen zur Welt zu bringen und sich zu Paaren. An manchen Tagen kann man über 100 Wale auch von Land aus beobachten. Hier gibt es den berühmten Wale Trail, ein Wanderweg entlang der Steilküste mit Aussichtspunkten für die Wahlbeobachtung. Wir buchten eine Schiffstour, um unser Glück auf dem Wasser zu versuchen. Wir hatten Glück….und was für ein Glück! Kaum waren wir auf dem Wasser, tauchten die ersten Delfine neben unserem Boot auf. Es wurden mehr und mehr. Überall Delfine, wo man hinschaute, das Meer kochte förmlich. Ein unbeschreibliches Bild. Thomas, der Guide an Bord meinte, das wären mindestens 1000 Delfine. Aber nicht nur im Wasser. Auch an Bord unseres kleinen Schiffes wurde es unruhig. Alle Passagiere sprangen von ihren Sitzen auf, liefen von rechts nach links, von vorne nach hinten und viele nach oben auf das Aussichtsdeck. Alle waren aufgeregt wie kleine Kinder. Genauso fühlte ich mich auch. Stand da mit offenem Mund, freute mich ungemein über das Gesehene und konnte es nicht so recht begreifen. 15 Minuten oder länger eskortierten die Delfine unser Boot. Dann plötzlich wie auf Kommando, änderten alle Tiere schlagartig die Richtung und zogen über Backbord von dannen. Das Meer glättete sich, und alle setzen sich wieder auf ihre Bänke, um kurz danach wieder aufzuspringen. Drei Wale näherten sich unserem Boot. Mal waren es drei, mal waren es sechs. Mal in einer Gruppe, mal in zwei Gruppen. Und sie tauchten…. und sie sprangen! Wieder grenzenloses Staunen mit offenem Munde. Ich sah die Wale immer wie in Zeitlupe aus dem Wasser springen und auf dem Rücken aufkommen mit einer unglaublichen Eleganz. Es waren Südkaper Wale. Mal 10m entfernt mal 50 m entfernt. Einmal schwammen zwei Wale so nahe an unser Boot, man hätte aufspringen und mit den Walen weiter schwimmen können. Thomas erklärte uns, dass die Wahlbeobachtungsschiffe nie so nah an Wale fahren würden. Aber heute kämen die Wale von sich aus sehr, sehr nahe an das Boot. Die Wale leisteten uns Gesellschaft bis es Zeit war, umzukehren, um wieder an Land zu gehen. Im Hafen angekommen, meinte Thomas, dass es heute ein perfekter Tag war. Es gab keine seekranken Passagiere, selbst Richie und Manuela blieben verschont. Mit den Walen und Delfinen hätten wir wirklich sehr viel Glück gehabt!! Also Manuela, mal wieder ein Lob an die Reiseleitung!


Der nächste Stopp war an dem südlichsten Punkt unserer Reise. Kap Agulhas. Hier ist der südlichste Punkt des afrikanischen Kontinents und an dieser Stelle treffen der indische Ozean und der Atlantik aufeinander. Hier gibt es ein riesiges Relief des afrikanischen Kontinentes, auf welchem man auch herumlaufen kann. Beim Anblick des Reliefs und dem Versuch, mit Richie zusammen die Lage der Länder festzulegen, wurde mir dann bewusst, welche Wegstrecke wir zurückgelegt hatten. Hier hatte ich dann das Gefühl, was die meisten Reisenden wohl am Kap der guten Hoffnung haben. Ich war schon ein bisschen stolz auf Clarissa, mich und den Duro. Wir hatten den afrikanischen Kontinent bis zu seinem südlichsten Punkt bereist hatten viel gesehen und viel erlebt. Ganz viele Vorstellungen wurden von der Realität zurechtgerückt. Für den Duro war hier Schluss. Weiter wäre es nur noch mit dem Schiff gegangen.


Weiter fuhren wir Richtung Osten bis nach Mossel Bay, immer auf Pisten, parallel zur Küste. Eine Route, die uns ein Einheimischer empfohlen hatte. Von dort aus führte unser Weg wieder nach Norden. Richie und Manuela müssen zurück nach Windhuk, denn sie fliegen bald nach Hause. Clarissa und ich haben uns entschieden, ebenfalls nach Norden zu fahren um erneut Botswana und danach Sambia zu bereisen. Wir möchten noch einmal wärmere Gefilde genießen. Anschließend wollen wir über Malawi und Mosambik wieder nach Südafrika einreisen. Die Fahrt ging über den Swartberg Pass, einen ungeteerten Pass, welche heute unter Denkmalschutz steht. Eine grandiose Landschaft und Straßenführung. Kurz hinter der Passhöhe führt eine Piste ab in ein Tal, genannt Gamkaskloof. Diese Piste ist eine Sackgasse und wird am Ende the Hell genannt. Temperaturen zwischen 40 und 50° im Sommer sind der Grund für diesen Namen. Diese Piste ist einfach genial und die Fahrt ein Erlebnis. Momentan ist die Piste stellenweise in einem sehr schlechten Zustand. Grund dafür sind schwere Unwetter im Mai und Juni. Bis man endgültig ins Tal gelangt, gibt es mehrere Pässe zu befahren. Der letzte Pass ist aufgrund seiner nur einspurig zu befahrenen Piste und der steilen unbefestigten Abhänge nichts für schwache Nerven. Drei Haarnadel Kurven waren für den Duro zu eng, so dass wir rangieren mussten. Im Schnitt beträgt die Steigung dieses letzten Passes 11 %, wobei es wesentlich steilere Abschnitte gibt. Es ist einfach ein grandioses Naturerlebnis, diese Strecke zu fahren. Unterwegs sieht man immer wieder Klippspringer, die kaum scheu haben und erst im letzten Moment davon trotten. Auch Affenherden kann man hier sehen. Im Tal angekommen, gibt es ein Camp zum Übernachten wunderschön gelegen und toll hergerichtet. Die Besitzer des Camps versuchen zurzeit die Pisten wieder halbwegs befahrbar zu machen. Der Staat scheint hier nicht zu helfen. Wir brauchten für 37 km circa 5 Stunden. Die Rückfahrt am nächsten Morgen dauerte noch länger. Bei der Auffahrt des ersten Passes war die letzte Haarnadelkurve für den Duro wieder zu eng. Ich rangierte dreimal vor und zurück und schaffte die Kurve immer noch nicht. Grund war eine große, aufgetürmten Steinreihe an der Innenseite der Kurve. Clarissa stieg aus und dirigierte mich soweit, wie es ging, rückwärts an den Abhang, damit ich die Kurve noch einmal weit ausholend anfahren konnte. Jetzt komme ich rum, dachte ich. Im Rückspiegel sah ich, dass ich an der Innenseite der Kurve mit dem mittleren Reifen einen Stein berührte. Von oben rutschte eine Steinplatte nach. Es gab einen dumpfen Knall und eine Staubwolke. Das sah im Rückspiegel gar nicht gut aus. Im Schneckentempo fuhr ich weiter um die Kurve und hielt ca. 50m weiter an. Hier war der Pass Anstieg nicht mehr ganz so steil. Ich stieg aus und sah, dass ich mir die Flanke des letzten Reifens von der Felge bis zur Lauffläche aufgeschlitzt hatte. Na gut, man lernt ja immer noch dazu. Also: Lernen wir heute mal Reifen wechseln auf einer einspurigen, unbefestigten, steilen Passstraße. 1 m vom unbefestigten Abgrund entfernt. Ich würde sagen: Lernziel erreicht. Wichtig, war, sich den Abgrund im Rücken wegzudenken und nicht daran zu denken, was passieren könnte, wenn so ein schwerer Reifen mal das rollen anfängt…..Wie sagt der Kölner: Et hätt noch immer jot jejange!!
Wir waren gerade mit Reifenwechseln fertig, da kam Richie und Manuela zu Fuß den Pass hinunter. Da wir heute Morgen ohne Frühstück losgefahren waren, hatten wir uns oberhalb des Passes zum Frühstücken verabredet. Als das Missgeschick mit dem Reifen passierte, waren die Beiden schon ein Stück vor uns und auch über Funk nicht mehr zu erreichen. Als wir nicht auftauchten, machten sich die beiden irgendwann Sorgen. Sie fuhren mit dem Auto bis zur letzten Wende Möglichkeit zurück. Den Rest gingen sie zu Fuß. große Erleichterung, als sie uns sahen. Wir fuhren nun die Passstraße hoch. Die beiden gingen zu ihrem Auto. Auf der Passhöhe angekommen, bot sich uns ein surreales Bild. Links neben der Piste stand ein gedeckter Tisch mit zwei Campingstühlen. Kein Auto keine Menschen. Ein Tisch mit Essen, ganz alleine mitten in der Bergwelt. Richie und Manuela hatten schon das Frühstück vorbereitet und haben dann die Suchaktion nach uns gestartet. Diese Szenerie wäre wirklich ein Foto wert gewesen. Leider nicht dran gedacht.


Unsere letzte gemeinsame Unternehmung, war der Besuch der Augrabies Wasserfälle am Oranje River. Hier stürzt der Oranje River spektakulär in eine Schlucht hinein. Wir hatten Gesellschaft von Mungos und verschiedenen Vögeln. Alle nicht scheu, in der Hoffnung, etwas von unserem Essen abzubekommen. Nachts besuchte uns eine Ginsterkatze. Ein sehr schönes elegantes Tier. Auch sie zeigte keine Scheu und näherte sich selbstverständlich bis auf 5 m oder saß 2 m über uns im Baum und schaute auf uns hinunter. Zwei Tage verweilten wir an diesem schönen Ort, dann hieß es Abschied nehmen. Manuela und Richie sind nun endgültig auf dem Weg nach Windhuk, um ihr Auto dort abzustellen und nach Hause zu fliegen. Sie werden im September wieder zurückkommen. Wir stehen nun auf einem Campingplatz bei Upington und warten auf die Lieferung eines Ersatzreifens. Dann kann die Reise weitergehen. Richie, Manuela, es war mal wieder eine schöne Zeit mit euch! Mal schauen, wie wir das ohne Reiseleitung schaffen?? Und woher bekommen wir jetzt die schönen Drohnenaufnahmen, auch manchmal aus Flugverbotszonen???? Das letzte Stück Marmorkuchen, heute gegessen… kommt gut nach Hause, hoffentlich sehen wir uns bald wieder.

 
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