fiANNA
werkgemeinschaft

MAURETANIEN

Gestern am Sonntag den 23.11.2025 ging es dann um acht Uhr Morgens los zur Marokkanisch- Mauretanischen Grenze. Das Visum für Mauretanien hatten wir vor einer Woche per Internet beantragt. Einen Tag später war die Antwort und Bewilligung für alle  ebenfalls per Internet eingetroffen. Das Visum muß dann ausgedruckt und mit zum Grenzübergang gebracht werden.Der Grenzübergang in Marokko dauerte 4 Std. Und in Mauretanien 3,5 Std.
Für den Mauretanischen Grenzübergang hatte Rene´ einen Grenzhelfer (Fixer) organisiert. Dieser erwartete uns schon an der Grenze. Er sammelte unsere Pässe, Visa und Fahrzeugpapiere ein und los ging der Grenzmarsch. Kreuz und quer durch die Grenzanlage von einem Gebäude zum nächsten. Vor und wieder zurück. Von rechts nach links. Wir mußten die Visa Gebühren und Fahrzeug Einfuhr Gebühren in € bezahlen. Zwischendurch wechselte er uns noch € in Mauretanische Ouguiya, besorgte uns Simkarten und lud uns Guthaben auf Selbige. Zum Schluß gab es für jedes Fahrzeug noch die Versicherungspapiere, ebenfalls in € zu bezahlen und wir durften in Mauretanien einreisen. Ohne Fahrzeugkontrolle. Neues Land…, fremdes Land…, Aufregung…, Freude !!!! Wir fuhren noch ca 60 km nach Osten, zu unserem ersten Übernachtungsplatz in der mauretanischen Sahara. Alle waren geschafft und gingen früh zu Bett.




Heute Morgen dann ging unsere erste Wüstentour in Mauretanien los. Wir wollen entlang einer Eisenbahntrasse fahren. Der Trasse des Iron Train. Ein Zug, welcher Eisenerz aus den Minen in der Sahara über 700km an die Küste zum verladen bringt. Dies ist die einzigste Eisenbahnlinie in Mauretanien. 3-5 Lokomotiven ziehen bis zu 200 Erzwagons mit einer Geschwindigkeit von ca.35kmh durch die Wüste. Ein Wagon wiegt ca. 120t. Damit ist der Irontrain der schwerste Zug und mit einer länge von 2km der längste Zug der Welt. Personen können Kostenlos auf den Beladenen Wagons mitfahren. Außerdem transportiert der Zug Wasser in die Wüste und versorgt Dörfer, Nomaden und deren Viehtränken mit Wasser. Ca. 430km werden wir entlang dieser Eisenbahntrasse, anfangs unmittelbar an der Marokkanischen Grenze, immer nach Osten durch die Wüste fahren.



27.11.2025
4Tage brauchten wir für die ca.430 km Wüstenpiste entlang des Iron Train´s.  Sandpisten, Schotterpisten, Wellblechpisten und Weichsandfelder  mußten befahren werden. Vor allem die letzten Tage durch abwechslungsreiche Landschaften. Fast immer mit Blickkontakt zu den Gleisen war die Orientierung nicht Problematisch. Wir sahen mehrmals am Tag Züge.  Machten wir eine Pause oder standen bei unserem Nachtlager, hörten wir den Zug eine halbe Stunde bevor wir Ihn sahen. Mit einem wahnsinnigen Dröhnen und Getöse kündigte sich ein neuer Zug mit seiner Fracht von mehreren Tausend Tonnen Eisenerz an, um in eine Staubwolke gehüllt an uns vorüberzuziehen. Rechts und links der Gleise liegt überall Schrott. Alles, wirklich alles wird einfach im Sand liegen gelassen. Schienen, Bolzen, Eisenschwellen….. Alles liegt umher. Beim Fahren in der nähe der Gleise muß jeder aufpassen nicht über irgendein Eisenteil zu fahren. Manchmal liegen Schienen oder Schwellen auch noch 100-200m von der Trasse entfernt im Wüstensand. Entlang der Trasse bauen Nomaden ihre Zelte, aus Eisenbahnschwellen. Die Gerippe stehen Hundertfach entlang der Trasse in der Wüste. Bei bedarf wird dann einfach Stoff und Plastik daran befestigt und fertig ist das Zelt. Auch Häuser werden mit den Eisenschwellen gebaut. Ein Fachwerk aus Eisen und dazwischen Lehmziegel. Wellblech aufs Dach, fertig ist ein Haus. Überraschenderweise gab es auch immer wieder Holzhäuser dazwischen. In der Wüste!??



Die meisten Häuser standen leer. Ganze Dörfer waren verlassen oder nur noch teilweise bewohnt. 5 Bewohnte Dörfer insgesamt auf 430km. Bis auf 2 bestehen alle anderen nur aus ein paar Häusern.. Immer wieder die Frage: Von was leben die Menschen hier. Tiere sahen wir wirklich nicht viele. Am häufigsten Dromedare.
Gestern schlugen wir unser Nachtlager am Fuße des Monolithen Ben Aicha auf, nachdem wir zuvor den Monolith Ben Amira besichtigt hatten, welcher Afrikas größter und weltweit der drittgrößte Monolith ist. In der Gegend liegen noch weitere Monolithen im Wüstensand. Echt Irre  diese Steine. Am Abend dann das erste Lagerfeuer. Und der Sternenhimmel.. einfach grandios!! Heute Morgen bin ich dann bei Sonnenaufgang auf einen etwas kleineren Monolithen raufgestiegen. Tolle Aussicht aber ein eiskalter Wind. Ich hätte Mütze und Handschuhe gebrauchen können. Tagsüber sind die Temperaturen im Moment mit Mitte 20 Grad traumhaft. Es geht den ganzen Tag ein Wind der frisch aber in der Sonne nicht kalt ist. Nachts kühlt es ab, so das wir gut schlafen können. Beim Frühstuck heute Morgen sahen wir die ersten Touristen. (Ausser uns natürlich) Eine geführte Gruppe, unterwegs mit 5 Geländewägen, besichtigte die von Internationalen Künstlern, 1999, bei einem Symposium bearbeiteten Steine am Fuße des Monolithen.


In dem Dorf Chom, am Ende der Piste trennte sich unsere Gruppe. Rene´ will erst einmal ein paar Pausentage einlegen und Simone und Gerd machen sich auf den Weg zum Auge von Afrika.
Selbiges wollen wir: Alois, Elke, Andy, Clarissa und ich ebenfalls besuchen, aber wir nehmen eine andere Route. Wir sind über Asphaltstraße auf dem Weg nach Fedrick in den Norden. Von dort werden wir über Pisten nach Osten weiterfahren um einen Meteorithkrater zu besichtigen. Dann geht es in südlicher Richtung zu einem alten französischen Fort und weiter zum Auge von Afrika. Morgen wird noch eingekauft. Mal sehen was wir so finden. Das Angebot in Mauretanien ist für uns Europäer doch sehr bescheiden. Bis auf einen streifen am Senegal River besitzt Mauretanien nicht wirklich fruchtbares Land und muß fast alle Lebensmittel Importieren.
Auch alle Kraftstoffreserven werden wir noch auffüllen. Auf den nächsten 670 km wird es keine Tankmöglichkeit mehr geben. Klingt erstmal nicht dramatisch, aber im Weichsand und bei Dünenfahrten kann der Kraftstoffverbrauch auch mal doppelt so hoch ,oder noch mehr, als gewöhnlich werden.



30.11.2025
Die Abfahrt nach dem Tanken gestern in Fedrick verzögerte sich um ca. 1 Std. wegen Kindereien……..
Während Alois, Andy und ich an einer Tankstelle Diesel auffüllten kauften Elke und Clarissa ein. Nach dem Tanken wollte ich bezahlen und fragte Clarissa nach Geld. Sie meinte in meinem Portemonaie sei noch Kleingeld. Mein Portemonnaie hatte sie mit beim Einkaufen und nachher mit dem Einkauf hinter die Kabineneingangstüre gelegt. Türe aufgemacht, nichts. Kein Portemonnaie, kein Einkauf in Form von Mandarinen und Bananen. Dazu muß noch erwähnt werden das wärend des Tankens jede menge Kinder unsere Autos belagerten. Manche ganz net, andere rotzfrech. Halt Kinder. Elke erzählte später, das plötzlich alle Kinder weggewesen wären. Mir war das gar nicht aufgefallen.
So ein Mist, was nun?? Sofort hatten wir den Tankwart, der gut Englisch sprach in unser Dilemma eingewiehen. Geld war wirklich nicht viel im Portemmonaie aber Perso, Führerschein, Visa-, und Mastercard. Er schloß seine Tankstelle und ging mit uns, Andy und mir, zur Gendarmerie. Unterwegs beruhigte er uns. Dies ist eine kleine Stadt, hier kennt jeder jeden. Ich bekomme mein Portemonnaie bestimmt zurück. Andy und ich waren uns diesbezügl. auch ganz sicher. Bei der Gendarmerie angekommen mußte der Hilfssheriff erst einmal seinen Mittagsschlaf unterbrechen. Nachdem er seine Dienststiefel angezogen und uns zwei Stühle gebracht hatte , berichtete der Tankwart von unserem Dilemma. Daraufhin telef. der Hilfssheriff und ein paar Minuten später betrat der Chef, der Marshall, die Gendarmerie. Nicht in Uniform wie sein Hilfssheriff, sondern in Zivil, besser gesagt mit einem  Boubou ,der traditionellen Männerbekleidung in Mauretanien und Blauem  Überwurf bekleidet. Nach einer kurzen Begrüßung ließ sich der elegant gekleidete, stattlich aussehende und wirklich sympathische Marshall von seinem Hilfssheriff und dem Tankwart den Tatbestand erläutern. Als dann öffnete der Hilfssheriff das Einfahrtstor zur Gendarmerie. Marshall und Tankwart bestiegen den blauen Toyota Pick Up und fuhren los auf Verbrecherjagd.
Andy und ich mußten leider in der Gendarmerie warten. Wie gerne hätten wir die beiden auf ihrer Verbrecherjagd begleitet. Ich sagte Andy, er solle auf die Uhr schauen, wie lange die Verbrecherjagd dauern würde. Es waren 20 Minuten. Dann fuhren der Marshall, der Tankwart mit dem blauen Toyota und ca. 8 Kindern auf der Ladefläche in die Einfahrt der Gendarmerie. Der Marshall hielt mein Portemonnaie in der Hand. Wir gingen mit dem Marshall in sein Büro. Er gab mir mein Portemonnaie und ich sollte alles auf Vollständigkeit überprüfen. Alles da, beim Geld war ich mir nicht sicher aber sagte es ist alles vorhanden. Wenn Geld fehlt, sollte ich es sagen, das würden sie mir auch besorgen meinte der Marshall noch. Er entschuldigte sich bei uns für die Unannehmlichkeiten, meinte sein Dorf sei ein sicheres Dorf wir müssten uns keine Sorgen machen  , nun sei es noch sicherer, aber Kinder sind nun mal Kinder. Dann durften wir doch noch in den Polizei Pick Up steigen und der Marshall nebst Tankwart fuhren uns die 200 Meter zur Tankstelle zurück. Der Hilfssheriff blieb unterdessen alleine mit den Kindern zurück um diese zu bewachen. An der Tankstelle erwarteten uns der Bürgermeister und ein Uniformierter Würdenträger um uns ihr Unbehagen mitzuteilen. Aktenzeichen Portemonaie Dilemma hatte sich in Windeseile im Dorf herumgesprochen. Nachdem Elke das Umfeld der Tankstelle aufgemischt und allen von unserem Dilemma berichtet hatte, wurden Alois, Clarissa und Elke in die Ermittlungsarbeiten mit einbezogen. Sie wussten schon vor uns von der erfolgreichen Aufklärung des Portemonaie Dilemmas. Nach ausgiebigen Dankesbekundungen verabschiedeten wir uns von dem nun noch sichereren Dorf und fuhren weiter nach Osten, tiefer in die Wüste. Dort hin wo es keine Dörfer mehr gibt und selbst keine Nomaden mehr.
Noch ein Wort zu den Kindern. Die Kinder wirkten in der Gendarmerie nicht verängstigt. Weder der Hilfssheriff noch der Marshall waren  Verbal oder Körperlich hart zu den Kindern. Bei Erwachsenen wäre das sicherlich anders gewesen…Kinder sind nun mal Kinder…


Ich wünsche euch einen schönen 1 Advent. So begrüßte uns Elke heute Morgen beim Frühstück. Stimmt ja!! Adventszeit…. Für mich , ganz schön weit weg. Nicht wegen der Entfernung, sondern vom Gefühl und der Stimmung her. Vorgestern Abend hatten wir  uns noch über die Adventszeit, Weihnachten, Weihnachtsessen, Weihnachtsgeschenke….. unterhalten, aber zumindest bei mir, scheint  die sonst vorhandene Adventsstimmung nicht mit in die Wüste gereist zu sein.


Wir sind nun ca. 650 Kilometer nach Osten in die Sahara gefahren und ich sauge jeden Tag die Wüste in mich auf. Den Sand, die Steine, unglaublich viele Arten und Farben von Steinen , Felsen, Grasbüschel, Dünen, Salzpfannen, Dromedare, Käfer, Echsen, immer wieder ein paar Bäume und Sträucher, sogar Wüstenfüchse haben wir gesehen. Die Wahrnehmung von Geländekonturen wechselt je nach Licht und Untergrund, geht teilweise verloren. Ich fahre auf ein Sandfeld zu und meine es gilt eine Steigung zu fahren. Angekommen am Sandfeld ,geht es Potteben weiter, merke es aber erst in dem Moment wie ich darüber fahre. Das gleiche Phänomen wie im Schnee. Mich beruhigt die unendlich erscheinende Weite und Leere. Irgendwie habe ich das Gefühl das ich auch weit und leer werde. Es gibt nichts außer der Wüste und uns. Im Vorbeifahren haben wir 1 Nomadenzelt und eine Nomadenfamilie mit einer großen Ziegenherde gesehen. Das war Gestern. Auch einige Nomadengräber in der Wüste haben wir passiert. Seit über einer Woche träume ich jede Nacht. Kann mich nicht erinnern jemals so intensiv geträumt zu haben. Die Träume selbst,- nun ja. Auf jeden Fall sorgen meine Traumberichte beim Frühstück immer wieder für Erheiterung.  „Gute Nacht, träum schön“ so werde ich abends von den anderen ins Bett entlassen. Aber so ganz traumlos sind die Nächte der anderen auch nicht……..

Heute Abend stehen wir in dem Krater Tenoumer mitten in der Wüste. Der Krater entstand vor ca. 10-30 Tausend Jahren durch den Einschlag eines Meteoriten. Der heute noch kreisrunde Durchmesser beträgt 1,9 Kilometer. Der Kraterrand ist 100 Meter hoch. Von Süden gibt es eine Passage, über welche man in die Senke des Kraters hinein kommt. Für alle ein besonderes Gefühl hier zu stehen.
Bei einer Polizeikontrolle vor zwei Tagen warnte uns der Polizist, als wir erzählten, dass wir zu dem Krater wollten vor Löchern in der Erde. Dort wird nach Gold gegraben. Wir sollten aufpassen beim Fahren. In Fedrick, dem Portemonnaie - Dilemma - Ort, kam Andy mit dem Dorflehrer ins Gespräch. Dieser fragte, als er erfuhr wo wir hinfahren, ob wir nach Gold suchen wollten. Bisher haben wir keine großen Löcher oder Goldsucher gesehen. Vielleicht sollten wir einmal selbst nach Gold graben. Schaufeln haben wir alle dabei. Was wir gesehen haben sind viele Fahrspuren am Fuße des Kraters. Angeblich Schmugglerpisten von Mali und Algerien nach Mauretanien. Gesehen oder gehört haben wir keine.
Während der heutigen Fahrt ist mir schon wieder ein Dilemma passiert. Bei einer kurzen Pause hatte ich meine Kaffee Tasse auf der Stoßstange abgestellt. Leider stand sie dort ca. 10 Kilometer später nicht mehr, als mir einfiel, dass sie dort einmal stand. Die schöne Tasse: Von Diana getöpfert. Schade!! Hoffentlich habe ich heute Nacht deshalb keine Albträume…

07.12.2025
Am nächsten Morgen, nach einer traumreichen Nacht(ohne Albträume), Richtungswechsel. Wir schwenkten von Kurs Nord-Ost nach Süden. Unser nächstes Ziel.- ein Fort aus der Französischen Kolonialzeit. Das Fort EL Ghallaouiya.  Schotterpisten, Steinfelder, Steinplattenpassagen. Dann mussten wir den Großen Erg Maqteir durchqueren. 80 Kilometer Sandfelder und Dünen. Kein Mensch, kein Auto. Nur ein paar Dromedare. Wieder eine Nacht in der Sandwüste. Diese Stille, für uns unwirklich. Etwas Wind. Sonst kein Geräusch. Kein Straßenlärm, kein Flugzeug, kein Muezzin in der Ferne, kein Hundegebell, nichts… ich wartete förmlich auf irgendein vertrautes Geräusch, doch nur die unbekannte Stille war „zu hören“.
Und dann am nächsten Tag erlöste uns Andy endlich von unserer Tagelangen Anspannung. Er fährt sich fest. Nicht  mal eben so, nein, er versenkt den Tayo ganz Fachmännisch, im Sand. Dies gelingt nur mit Jahrzehntelanger Wüstenerfahrung. Andy hat wahrscheinlich mit diversen Fahrzeugen mehr Zeit in der Wüste verbracht als ich in der Schreinerei. Der Tayo lag mit den Achsen im Sand auf. Andy sondierte die Lage mit Fachmännischem Blick als Elke, bereits mit Sandschaufel bewaffnet um die Motorhaube hüpfte und umgehend anfing zu schaufeln. Der Wüstensand flog durch die Luft, so wie im Winter der Schnee, wenn eine Schneefräse im Einsatz ist. In Ihrem Gesicht, ein seliges lächeln und noch bevor ich aus dem Duro ausgestiegen war, lagen die ersten Sandboard´s unter den freigeschaufelten Rädern. Jetzt muss ich mich beeilen, damit ich nicht zu spät komme, schoß es mir durch den Kopf. Sprang aus dem Duro, griff die Schaufel und rannte los. Wollte losrennen. Elkes tänzelnde Schritte vor Augen, kämpfte ich mich mühsam durch den weichen Sand, Richtung Tayo. Während ich mich von der richtigen Seite dem Havaristen näherte, um nicht unter Elkes Sandvontaine verschüttet zu werden, näherte sich Alois in seinem Toyota der Havaristelle so nahe wie möglich um schneller und näher beim geschehen zu sein. Da stieg Andy schon in den Tayo um einen ersten Befreiungsversuch zu Starten. Verdammt, schoß es mir durch den Kopf, zu warst zu langsam. Zum Glück hatte ich die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Der Tayo ruckelte 2m vor um danach erneut im Sand zu versinken. Andy hatte natürlich mitbedacht das keiner bei dieser Bergungsaktion zu kurz kommt. Alois gesellte sich nun auch mit seiner Schaufel zu uns und mit vereinten Kräften begannen wir den Erg Maqteier umzuschichten. Nach kurzer Zeit hatten wir alle Sandbleche (6Stck.) und Sandboards (6Stck.) an die Havaristelle geschafft und übten uns im Straßenbau. D.h. wir legten alle Bleche und Boards hintereinander und der Tayo fuhr ganz nach vorne, blieb aber auf den vorderen Blechen stehen um nicht mehr im weichen Sand zu versinken. Diese Straße endete nach kurzer Zeit an einer steilen Dünenwand. Und was macht Andy?? Er setzt sich in den Tayo,  gibt Vollgas und fährt schräg gegen die Dünenwand. Wir dadurch, mit einem Rad in der Luft, etwas nach links gedrückt und jagt am Dünenrand entlang auf den nächsten Dünenkamm um auf festem Untergrund stehen zu bleiben. Was für ein spektakulärer Abschluß einer Anstrengenden aber auch spaß machenden Bergungsaktion.
Alleine im Sand, ohne die vielen Sandbleche und helfenden Hände hätte diese Aktion wesentlich länger gedauert und wäre sehr viel Anstrengender gewesen. Alois meinte noch: „Stellt euch diese Aktion mal bei 40° vor und nicht bei den momentanen ca.25°“
Mein Versuch es Andy nachzumachen, scheiterte natürlich kläglich. Die Bergungsaktion war schon nach 15 min. beendet. Ganz ohne Rad in der Luft oder Steilwandkurve an einer Düne. Einfach nur geradeaus gefahren. Habe mich danach so geschämt das ich keine Bergungshilfe mehr gebraucht habe. Obwohl Alois der schwerste Fahrer ist, -da legt er auch besonderen Wert drauf-, kommt er im Sand eigentlich am besten zurecht. Unter dem Strich fährt er das leichteste Fahrzeug, was ihm schon einen Vorteil im weichen Sand beschert. Alois ist unser Sandfloh.


Die Fahrt durch den Erg Maqteir war wunderschön und reihte sich ein in die bisher erlebten Highlights in Mauretanien. Schließlich erreichten wir das Fort Ghalaouia. Es ist in einem erstaunlich guten Zustand. In jüngerer Vergangenheit war hier auch Mauretanisches Militär stationiert, welches aber nach einem Anschlag durch El-Kaida abgezogen wurde. Hinter dem Fort gibt es  eine intakte Brunnenalage. Hier wird mit Hilfe von Photovoltaik und einer Wasserpumpe ein rundes Wasser Reservoir mit Wasser gespeist. Was lag näher als ein Bad in der Wüste…all inclusive.


Zum übernachten fuhren wir noch ein paar Kilometer durch ein ziemlich zähes Weichsandfeld in die Traumhafte Schlucht Trig Chouail. Dort gibt es viele prähistorische Felsgravuren zu entdecken. Überwiegend mit Tierdarstellungen aus vergangenen Jahrtausenden. Zu sehen sind Strauße, Elefanten, Antilopen, Gazellen und Nilpferde. Ganz selbstverständlich stehen die Steine mit den Gravuren in der Gegend herum als wenn die Zeit stehen geblieben wäre. Doch in vergangenen Zeiten war die heutige Wüste einst fruchtbar. 

Am nächsten Abend übernachteten wir auf einem Sandfeld mit Blick auf den äußeren Ring vom Auge Afrikas, des Guelb Er Richat. Diese Geologische Struktur bestehend aus 5 Kreisrunden Ringen mit einem Durchmesser von 45 Kilometer des äußeren Ringes, durchfuhren wir am nächsten Tag von Süd nach Nord. Es besteht die Möglichkeit alle Ringe zu durchfahren. Schaut euch dieses Naturphänomen einmal im Internet an. 

Atemberaubend. 

Beim durchfahren dieser Struktur bekommt man leider überhaupt keinen Eindruck von deren Aussehen. Dazu muß man schon im Flugzeug sitzen. Unterwegs erreichte uns dann noch die Nachricht das Rene´ eine defekte Zylinderkopfdichtung hätte. Gerd der mit Simone eine andere Strecke fuhr war schon auf dem Weg zu Rene´ Gerd und Simone fahren einen ehem. Feuerwehr LKW. Die Fahrerkabine ist original Feuerwehr Rot lackiert. Eigentlich müssten die beiden Ihre Kabine ADAC Gelb lackieren. Dies war nun schon der dritte Rettungseinsatz welchen die beiden in Mauretanien fuhren.Nach einem kurzen Check durch das ADAC Rettungsteam wurde diesmal aus einem Elefanten eine Mücke. Grund des Übels, nämlich Wasserverlust, war keine Schadhafte Zylinderkopfdichtung sondern ein Riss im Kühlmittelausgleichsbehälter. Und wieder einmal hatten die gelben Engel die Situation gerettet.

Wir erreichten derweil Quadane und waren zurück in der „Zivilisation“. 


Weiter ging es nach Chinguetti über eine dermaßen beschissene Wellblechpiste, die alles von uns bisher befahrene weit in den Schatten stellte. Hier tauschten wir die bedrückende Stille der Wüste gegen das muntere Dröhnen eines containergroßen Stromagregates des Elektrizitätswerkes von Chinguetti ein ca. 100m Luftlinie von unserem Campingplatz entfernt. 

Chinguetti ist eine alte Handelsstadt, deren Blütezeit im Mittelalter war. Hier laufen mehrere alte Handelsrouten zusammen. In der Altstadt welche heute zum Unesco Weltkulturerbe gehört leben nur noch ca.150 Menschen, von Einstmals mehr als 20 000 . Über 4000 leben in der Neustadt welche durch ein Qued von der Altstadt getrennt ist. Die Altstadt war im laufe der Jahrhunderte im Sand versunken. Wurde wieder ausgegraben und wird „restauriert“. Sie ist die 7. Heiligste Stadt des Islam und beherbergt alte Bibliotheken mit Schriften aus dem Mittelalter von denen viele zerfallen. Es fehlt an Geld und Staatlichem Interesse diese Schriften zu konservieren. Wir machten eine Stadtführung mit Besichtigung einer Bibliothek und sahen das die Stadt stellenweise schon wieder im Sand versinkt. Mehr als erstaunt war ich über den vielen Müll! Selbst hier. Manche Innenhöfe schienen als Mülldeponie  benutz zu werden.


09.12.2025
Heute sind wir den 3. Tag auf einem Campingplatz in Atar. Pausetage. Hier wollten wir auch die Bescheinigung für die temporäre Einfuhr des Fahrzeuges verlängern. Wir haben zwar Visa für 90 Tage, Einfuhrbescheinigungen für Autos werden aber nur für 30 Tage ausgestellt. An der Grenze versicherte man uns das es kein Problem wäre die Bescheinigung zu verlängern. In Atar ginge das. Geht aber nicht!! Geht nur in Nouakchott der Hauptstadt Mauretaniens. Das sind von Atar aus 400km ein Weg. Den müssten wir auch wieder zurückfahren wenn wir uns weiterhin in der östl. Wüste aufhalten wollten. Nun müssen wir erst einmal beratschlagen.

14.12.2025
Zurück aus der Wüste. Wieder einmal eine herrliche Tour durch die mauretanische Sahara gemacht. Eigentlich liegt Mauretanien fast ausschließlich in der Sahara. Ein kleiner Teil im Süden gehört zur Sahelzone. Sahel ist das arabische Wort für Ufer. Das Meer ist in diesem Falle die Sahara. Das Sandmeer. Die Sahelzone ist der Übergang von der Wüste zur Savanne. Mittlerweile befinden wir uns in dieser Sahelzone.
Vor fünf Tagen sind wir, Elke und Andy = Team Tayo, Alois=Team Sandfloh, Clarissa und ich= Team Duro, alias Team Schlitten, alias Team träum schön, ( ja ich Träume immer noch ziemlich viel) zu einer erneuten Tour durch einsame Saharagegenden aufgebrochen. Nach einem Folkloristischen Abend mit Beduinenmusik einer Frauengruppe und gegrillter Ziege verabschiedeten wir uns erneut von Rene´, Simone und Gerd, welche wir auf dem Camp Inimi nach unserer letzten Tour wiedergetroffen hatten. Rene will noch eine Zeit auf dem Camp Inimi verbringen, Gerd und Simone wollen zum Guelta Matmata  und dann in die Hauptstadt Nouakchott. Dort wollen sich die beiden um die Verlängerung der Einfuhrbescheinigung für unsere Autos kümmern. Alle erforderlichen Kopien haben sie mitgenommen. 

Bei der Abfahrt aus Atar tankten wir erst noch einmal voll. An der Tankstelle zeigte sich mal wieder, wie klein doch die Welt ist. Zeitgleich mit uns,  nur von der entgegengesetzten Richtung kommend, fuhr ein Ehepaar nebst LKW an die Tankstelle. Die beiden hatten wir letztes Jahr in Tiflis getroffen. Sie standen mit Ihrem LKW namens Felix Himmelblau auch hinter der Kathedrale, dem Treffpunkt für Overlander. Einen Tag vor uns überquerten die beiden mit einer Reisegruppe die Georgisch-Russische Grenze. Sie entschwanden unseren Blicken in den Weiten Zentralasiens  um 1,5 Jahre später in Mauretanien aus der Wüste wieder aufzutauchen. Nach einem kurzen Austausch während des Tankens, trennten sich unsere Wege erneut. Aber wer weiß…..
Unser erster Stop war die  Oase Terjit. Eine Palmen Oase in einer kleinen Schlucht mit Wasserlauf und kleinem Becken zum Baden. Die nächsten Tage verbrachten wir wieder in der Wüste, nicht mehr so einsam wie die vorherige Tour. Wir fuhren an kleinen Siedlungen mit z.T. wunderschönen Hütten vorbei, sahen Nomaden und begegneten ein paar Pick Ups. Die Strecke war wieder sehr abwechslungsreich. Schotterpisten, Sandpassagen, Queddurchfahrten mit viel Weichsand und kleine Pässe. Im unglaublich schönen Qued Hnouk backten wir nach Beduinenart Brot im Sand. So schmeckte das Brot dann auch. Müssen wir also noch einmal üben! Überhaupt ist der Sand nicht nur in der Natur, auch sonst allgegenwärtig. Überall im Duro, in den Schuhen und in der Kleidung. In den Haaren sowieso.  Es geht fast immer ein starker Wind, welcher dafür sorgt, dass auch im Essen und Getränken wenn draussen genossen, immer eine Brise Sand vorhanden ist. Zwischen den Zähnen kein besonders gutes Mouthfeeling. Ich merke den Sand auch im Hals und Schneuze jeden Tag etliche Sandpopel aus der Nase. Gepaart mit der trockenen Luft ist das auf Dauer nicht ohne. Da ist eine Beduinenkleidung, welche Nase und Mund verdeckt schon sehr zweckdienlich.



Am 3. Tag erreichten wir die geteerte Straße R1 und fuhren in südl. Richtung weiter nach Tidjikdja. Hier wollten wir noch einmal Volltanken um dann über 700 km durch unbewohnte Wüste im Süd-Osten Mauretaniens zu fahren. Zu den Elefantenfelsen. Doch bei den letzten 1800 km Pistenfahrt durch Mauretanien haben sich einige Mitreisende angesteckt. Angesteckt mit einem Virus, welcher zu dem gefürchteten Pisten burn out führt. Symptomatisch dafür sind abendliche Gespräche über Campingplätze, gekühltes Bier, Ruhetage, shopping im Carrefour und im Endstadium über Pauschalreisen….
Irgendwie war die Luft erst einmal raus!! Luft rein, Luft raus bei den Fahrzeugreifen, ist übrigens eine ständige Betätigung bei Fahrten auf wechselnden Untergründen um immer die bestmögliche Traktion zu haben und die Reifen zu schonen.  Dies haben wir mittlerweile zu genüge durchgeführt. Und da war ja noch die Verlängerung der Einreisebescheinigung für unsere Fahrzeuge. Um die Verlängerung zu erhalten muß der Fahrzeughalter pers. bei der Behörde anwesend sein. Fazit: Momentan keine Lust mehr auf Pisten und keine Lust nach Nouakchott. Daraus resultiert: Wieder einmal umplanen. Erneuter Richtungswechsel.
Wir beschließen den Osten links liegen zu lassen. Für dieses mal.
Also: Andy richtet seinen Kompass auf Kurs 180° aus. Richtung Süden.
Wir werden nun zügig Richtung Senegal fahren und auf dem Weg dorthin das Guelta Matmata besuchen.

17.12.2025
Das Guelta Matmata ist eine Wasserstelle in einem Felsbecken am Rande der Sahara. Es liegt am Übergang zur Sahel Zone. Das Guelta trocknet nicht aus und wird von einer Unterirdischen Quelle gespeist. Die Lage ist herrlich und man erreicht es nur über eine ca. 22 km lange Piste abseits der Teerstraße. Obwohl die Pistenlust ja deutlich abgenommen hatte, nahmen wir erneut diese „Strapazen“ auf uns. Nachdem wir wieder ordentlich durchgeschüttelt wurden, erreichten wir ein oberhalb des Guelta`s  gelegenes Plateau. Eigentlich wäre das Guelta ein wahrlich idealer Badesee. Mit einem gravierenden Manko: Die faul in der Sonne liegenden teilnahmslos wirkenden Krokodile am Ufer des Gueltas trübten die Lust doch deutlich, sich mit Anlauf und juhu in die kühlen Fluten zu stürzen. Dabei sollen diese Tiere dem Menschen nicht gefährlich werden. Angeblich nehmen sie reiß aus wenn ihnen einer zu nahe kommt. Bei diesen Krokodilen handelt es sich nicht um das sonst in ganz Afrika anzutreffende Nilkrokodil sondern um das westafrikanische Krokodil. Auch Saharakrokodil genannt. Bis 1999 glaubte man, dass nur im Tschad noch eine kleine Population von 7 Tieren in der Wüste überlebt habe. 1999 wurden dann im Guelta Matmata Tiere entdeckt. Eine Sensation. Es gibt in Mauretanien noch 2 weitere Gueltas in der Wüste, wo diese Tiere überlebt haben. Das westafrikanische Krokodil ist eine eigenständige Art und mit max 2,5 Metern Länge kleiner als das Nilkrokodil. Da saßen wir nun in den Felsen  und beobachteten diese Tiere von dem Plateau aus. Bewegungslos lagen sie in der Sonne, als wenn sie einen Pauschalurlaub am Pool gebucht hätten. Ab und zu tauchte mal ein Kopf aus dem Wasser auf um dann wieder zu verschwinden. Alles andere als ein munteres treiben. Aber es war trotzdem total faszinierend diese Tiere in freier Natur beobachten zu können. Wir zählten an diesem Nachmittag 32-38 Tiere. Am nächsten Morgen ging ich noch einmal kurz vor Sonnenaufgang zu dem Guelta, in der Hoffnung die Krokodile auf Ihrem Weg zum Wasser beobachten zu können. Nachts übernachten diese Krokodile in selbstgegrabenen Höhlen, abseits des Gueltas. Leider sah ich kein einziges auf dem Weg zum Wasser. Als die Sonne aufgegangen war und das Guelta beschien, tauchten plötzlich immer mehr Krokodile aus dem Wasser auf, um alsbald an Land zu gehen und im Sand ihr Sonnenbad zu nehmen. 


Seitdem sind zwei Tage vergangen und wir sind auf einer Asphaltstraße unterwegs zum Senegal River. Die Landschaft hat nun ihren Wüstencharakter verloren und geht so langsam in Steppe über. Wir sehen deutlich mehr und größere Viehherden. Auch die ersten Rinderherden. Die Besiedelung wird dichter und das Warenangebot der Geschäfte entlang der Straße nimmt an Vielfalt zu.



 
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